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#LebenInFarbe BLOG

09.06.2017

3 Stunden Email für den Seelenfrieden

Ich habe mich gerade hingesetzt und 3 Stunden an einer Email an einen Kunden geschrieben. Ich glaube, es ist wichtig für Ihn, dass er versteht, warum wir bei mgdHome tun was wir tun und wie wir es tun. Für mich hat es sich auch als beruhigend herausgestellt.
Hier meine Mail:

Hallo Herr …..,

danke für Ihre Nachricht.

Erstmal vielen Dank, dass Sie so lange Geduld hatten, bevor es uns gelang, mit den Arbeiten zu beginnen.
Die seit dem letzten Frühjahr anhaltende „zu gute“ Auftragslage im Handwerk ist auch für uns ungewöhnlich und nicht immer ganz einfach zu bewältigen. Vor allem störend ist dabei, dass Privatkunden oft darunter zu leiden haben. Ich bin kein Freund davon. Wir arbeiten überwiegend für Kunden aus dem Privatbereich. Da große Auftraggeber wie Kommunen oder Firmen uns Handwerker mit nicht immer ganz schönen Verträgen an Termine binden, sind wir oft gezwungen die privaten Kunden zu vernachlässigen. Nun kann ich den großen Auftraggebern natürlich Absagen erteilen oder hohe Preise machen. Letztendlich fürchtet man aber die Zeit, in der die Auftragslage mal wieder etwas schlechter ist.
Ich möchte mich nochmals für die lange Wartezeit entschuldigen und mich für Ihre Geduld und Ihr Verständnis bedanken.

Dass Sie mit der Witterung während der Arbeiten nicht ganz zufrieden waren, haben Sie mir und meinen Mitarbeitern ja bereits währenddessen mitgeteilt. Ich selbst und ich glaube auch meine Mitarbeiter haben Ihnen dazu versichert, dass wir nicht arbeiten, wenn es nicht möglich ist. Dies gilt sowohl für Witterungseinflüsse als auch für den Willen des Bauherren. Wenn Sie nicht wünschen, dass wir bei Ihnen arbeiten, dann tun wir das nicht.
Da bei den Arbeiten rund um Ihr Haus immer mehrere Fachleute mit langjähriger Erfahrung anwesend waren, ging ich davon aus, dass bei den für uns einfachen Malerarbeiten keine besonderen Schwierigkeiten auftreten würden.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe absolutes Verständnis für Ihre Besorgnis. Wenn bei mir zu Hause Handwerker arbeiten, wäre ich gerne immer dabei um zu kontrollieren. Auch mag ich den direkten Dialog mit den Leuten vor Ort während der Arbeiten. Da ich aber aus eigener Erfahrung weiß, dass manche Handwerker so nicht arbeiten oder sehr nervös werden und ich selbst auch gar nicht die Zeit habe, muss ich mich damit abfinden, dass die Fachleute es richtig machen und darauf vertrauen.

Meine Kollegen haben mir natürlich auch von der Baustelle berichtet. Wir haben im gemeinsamen Austausch beschlossen, dass die Arbeiten ausgeführt werden können. Sollten Sie als Bauherr dies nicht wünschen oder das Wetter es nicht mehr zulassen, so würden wir abbrechen.

Die Arbeiten wurden also ausgeführt. Laut Aussage meines Altgesellen Herrn Verfers haben Sie ihm auch versichert, dass alles gut geworden ist. Dass Sie die Rechnung bezahlt haben, zeigt mir auch, dass Sie zufrieden sind mit dem Ergebnis. Und die laut VOB gesetzlich festgelegte Gewährleistung gilt für all unsere Aufträge. Ich habe also den Eindruck, dass trotz Ihrer Sorgen alles gut ausgegangen ist und freue mich darüber, wenn Sie das auch so sehen.

Ich glaube aber, dass es noch etwas gibt, das Sie stört und zwar, dass ich selbst schlecht erreichbar bin und nicht vor Ort war.

Ich selbst habe die Zeit auch erlebt und bei der Arbeit meines Vaters aus nächster Nähe erfahren, wie es war. Mein Vater und viele andere Handwerker dieser Zeit haben alle Kunden persönlich betreut, jede Baustelle regelmäßig besucht und auch sonst viele anfallende Arbeiten im Betrieb in die eigene Hand genommen.
Diese Zeit neigt sich dem Ende zu.
In meiner Firma arbeiten 13 Personen. 7 Malergesellen, 2 Azubis, die beiden Bürohelferinnen, der Werkstattmeister und ich.
Die Arbeit der Mitarbeiter wird durch mich geplant. Zu überwiegenden Teilen erledige ich die Angebotserstellung, Aufmaße nach VOB, Materialbestellung, Planung und Bestückung der Baustellen, Betreuung der Mitarbeiter und einiger Kunden, Abrechnung, Nachkalkulation und Auswertung der Arbeiten, Werbung und Marketing, Preisverhandlungen mit Lieferanten, Marktforschung, Weiterbildung und ständige Verbesserung oder zumindest das Erhalten von zeitgemäßen Methoden unserer Arbeitsweisen und der verwendeten Materialien. Und irgendwo dazwischen bin ich Mensch, verschnaufe, rede mit meinem Team und versuche zu allen nett zu sein, die nett zu mir sind.

Ich denke, ich könnte hier noch einiges aufzählen. Ich möchte mich hiermit nicht als besonders toll hervortun, sondern lediglich einen Einblick in unser Schaffen geben. Dies ist auch gar nicht der Punkt.

Der Punkt ist:
Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich viele tolle Mitarbeiter und Familienmitglieder habe, die mich unterstützen und mir zur Seite stehen. Wir stemmen gemeinsam große Herausforderungen und Aufgaben bei unseren Kunden. Jeder im Team hat besondere Fähigkeiten. Der eine kann dies besser, der andere etwas anderes. Gemeinsam bilden wir eine starke Gemeinschaft. Wir versuchen täglich, den Wünschen unserer Auftraggeber so gut es geht nachzukommen und nachhaltig ordentliche, haltbare und schöne Arbeiten abzuliefern. Ich alleine wäre dazu sicherlich nicht in der Lage. Der Handwerker, der alles kann, existiert bei uns nicht. Wir können alle nur ein Bisschen aber das dafür ganz gut.
Und „für unsere Kunden da sein“ geht eben auch nur während der Arbeitszeit.
Die Maler machen 40 Stunden in der Woche, die Bürohelferinnen 8 und ich habe circa 50. In der übrigen Zeit sind wir für unsere Familien und Freunde da, tanken neue Energie, erholen uns von der Arbeit oder schlafen.

Ich würde sehr gerne heute das Büro hüten und ein paar Anrufe tätigen, etwas schreiben und etwas abrechnen und die nächsten drei Tage ein Zimmer neu gestalten. Die Vorstellung von einem einfach strukturierten Arbeitsalltag ohne Stress und mit vielen schönen Aufgaben gefällt mir sehr gut. Ebenso wie ich gerne für jeden einzelnen Kunden persönlich da wäre und ein partnerschaftliches Verhältnis pflegen würde. Sicher sind das Ziele, auf die ich sogar hinarbeite.

Sie sind ja noch ein Kunde alter Schule, dessen Handschlag und Wort noch etwas wert sind. Das schätze ich ebenso wie Ihre Zahlungsmoral.
Eine persönliche Betreuung der Kunden ist mir aber leider nicht möglich oder ich müsste sie besonders in Rechnung stellen. Ob ich dafür genügend zahlungsfreudige Kunden fände, ist fraglich.

Ich hoffe, dass ich Ihnen zufriedenstellend erklären konnte, warum ich und mein Team auf diese Weise arbeiten und dass Sie Verständnis dafür haben.
Mit freundlichen Grüßen,

Matthias Deckers

Matthias Deckers - 13:47 @ mgdHome, Beiträge von Matthias Deckers, Dies und Das, Leben in Farbe | Kommentar hinzufügen

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